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Notschlafstellen für obdachlose Menschen in Salzburg – Antwort auf eine Bürgerfrage

14. Dezember 2017

Sehr geehrter Frau Dr. Jehiecke,

vielen Dank für Ihren Brief, in dem Sie eine Antwort für Frau Thaler einfordern. Sehr geehrte Frau Thaler, Bürgerfragen sind uns wichtig, mich erreicht der Brief in dieser Form zum ersten Mal. Ich antworte gerne und veröffentliche meine Antwort auch auf  meinem Blog www.sieberth.com, denn möglicherweise ist die Antwort auch für andere interessant.

Der Umgang mit bettelnden Menschen

Eingangs möchte ich Ihnen Recht geben: Der Umgang mit bettelnden Menschen hat verschiedene Herausforderungen. Der Anblick von Armut ist nicht angenehm. Egal ob das die Frau am Straßenrand ist, die bettelt, weil das für sie mehr Geld einbringt als wenn sie zu Hause in Bulgarien oder Rumänien bliebe, oder das Nachbarskind, dass nicht auf Schikurs mitfahren kann, weil es sich seine Eltern nicht leisten können. Beides empfinde ich als ungerecht.

Warum nun diesen Menschen einen Schlafplatz zur Verfügung stellen? Fakt ist, sie sind da, ganz legal. Sie dürfen das aufgrund der Reisefreiheit, die wir alle EU-Europäerinnen nutzen dürfen und genießen (ich zumindest).

Wir wollen nicht, dass Menschen auf unseren Straßen erfrieren

Als es die Notschlaftstelle noch nicht gab (bzw. in geringerem Ausmaß), gab es regelmäßig Konflikte mit den Gruppen, die in Parks & unter Brücken übernachteten. Das schaffte Verunsicherung in der Bevölkerung und hinterließ mangels vorhandener Sanitäreinrichtungen Verunreinigungen. Und jedes Mal, wenn der Winter einbrach, mussten sich Verantwortliche in der Stadt fragen: Wollen wir, dass Menschen auf unseren Straßen erfrieren?

Ich kann das für mich klar beantworten: Ich will das nicht.

Das Haus Franziskus – Caritas, Stadt und Land Salzburg

Das Haus Franziskus – eine Einrichtung der Caritas mit Unterstützung von Stadt und Land Salzburg (und das beinhaltet politische Beschlüsse von ÖVP, SPÖ, GRÜNE und NEOS) – bietet nun 50 Notreisenden (viele davon betteln), eine Übernachtungsmöglichkeit, die auch für die Aufnahme von Kindern in Familien eingerichtet ist. Es sind relativ kleine Mehrbettzimmer. Es gibt das Angebot eines Abendessens und auch eines einfachen Frühstücks. Es gibt sehr klare Regeln, wann die Menschen kommen dürfen und wann sie in der Früh auch wieder gehen müssen. Ich habe beim zuständigen Fachbereichsleiter der Caritas – Torsten Bichler – nachgefragt und folgende Informationen erhalten:

„Ein individuelles Kochen von täglich wechselnden Menschen in einer Noteinrichtung ist schlicht nicht organisierbar. Und tatsächlich müssen unsere Gäste auch mithelfen: Im Notquartier gibt es täglich wechselnde Zuständigkeiten für das saubere Hinterlassen des Raucherraumes. Einmal wöchentlich müssen die Zimmer besenrein geputzt werden. Damit wird auch versucht interne Hierarchien und eventuell auch in unserer Gesellschaft herrschende Frauen – und Männerbilder aufzubrechen. Die ebenfalls stattfindende professionelle Hausreinigung hängt mit Hygienevorschriften zusammen.“

Begleitend gibt es auch SozialarbeiterInnen, die außerhalb der Notschlafstelle Kontakt zu den Notreisenden haben und gut auf Probleme reagieren können. Diese Zusammenarbeit mit den SozialarbeiterInnen schätzt mittlerweile auch das Amt für öffentliche Ordnung und die Polizei.

Der Solidarität und den Menschenrechten verpflichtet

Die Grünen haben diese Menschen nicht eingeladen. Es ist auch nicht geplant, kostenlose Busreisen zur Verfügung zu stellen. Wir Grüne fühlen uns aber der Solidarität und den Menschenrechten verpflichtet. In der politischen Umsetzung ist das nicht immer ganz leicht. Aber es geht allen Menschen in der Stadt Salzburg besser, wenn obdachlose Menschen – aus welchem Grund auch immer – zumindest notversorgt sind.

Obdachlosigkeit ist übrigens auch unter der Salzburger Bevölkerung ein Thema. Auch dafür stehen Notunterkünfte zur Verfügung, bzw. begleitende Projekte, die das Ziel haben, Menschen wieder dauerhaft in Wohnungen unterzubringen, Arbeit zu vermitteln, etc.

Kontakt:
Caritas Notschlaftstelle
Telefon 0676 848210651

Meine Einladung

Ich möchte Sie beide einladen, mit mir das Haus Franziskus zu besuchen. Vielleicht haben Sie noch weitere Fragen oder Sorgen, die dort geklärt werden können.

Ich freue mich, von Ihnen zu hören, um – wenn Sie wollen – rasch einen gemeinsamen Besuchstermin auszumachen.

Mit freundlichen Grüßen,

LAbg. Barbara Sieberth