Allgemein Integration

ÖVP-Wahlkampf „Bettlerbanden“ in Salzburg? Ich habe viele Fragen …

25. Februar 2014

… und kurzfristig eine Forderung: Stoppt sofort eure „Bettel-Kampagne“.

Ich will keine Hetze gegen von Armut betroffene Menschen. Ich will keinen Populismus und Ausgrenzung auf dem Rücken von Schwachen. Ich will keine Kriminalisierung von Menschen, die nicht kriminell sind. Es gibt aktuell viel Diskussion rund um das Thema Betteln, ich habe dazu viele Fragen an die Salzburger Stadt ÖVP, die ankündigt, das mit der „Stadt der Bettlerbanden“ anders machen zu wollen.

Was versteht ihr eigentlich unter Bettlerbanden?

Habt ihr irgendwelche eigenen Daten und Fakten dazu? Habt ihr die Studie von Heinz Schoibl in Kooperation mit dem Runden Tisch Menschenrechte Salzburg gelesen, in der es keine Hinweise auf mafiöse Strukturen gibt? Oder glaubt ihr der Studie nicht? Sind Familien für euch Banden? Ist sozialer Zusammenhalt etwas Bandenhaftes?

Wie haltet ihr es mit der Armut in einer globalen Welt?

Ist es ok, ein Hemd „made in Bangladesh“ anzuhaben, wo wir in einigen Fällen gut dokumentiert wissen, dass die Arbeiterinnen dort durch ihre Entlohnung keine Existenz sichern können und noch dazu ihre Gesundheit dramatisch gefährden? Kennt ihr die Zusammenhänge, wo auch zum Beispiel die Verlagerung vieler Arbeitsplätze in ferne Länder jetzt auch den europäischen Ländern fehlen, aus denen ArmutsmigrantInnen stammen?

 Ist es ok, sein Glück woanders zu suchen…

…wenn es in der eigenen Region einfach unmöglich ist? Ist Migration etwas Schlechtes? Dürfen nur Geld und Produkte „migrieren“, am besten steuerschonend und fern von meinem Gewissen, und der Rest soll bleiben wo er ist? Ist das euer „anderes“ Konzept?

Wie wollt ihr es denn noch anders machen?

Wollt ihr die Menschen vertreiben, damit sie woanders erfrieren und verhungern? Habt ihr eine Vorstellung, wie das ist, im Winter keine Heizung zur Verfügung zu haben – weder zu Hause, noch am Ort des Bettelns?

Habt ihr noch nie auch nur ein bisschen geschwindelt, um zu einem Vorteil zu gelangen? Oder andersrum: Glaubt ihr, dass die frei in den sonnigen Alpen herum laufende Kuh auf dem Milchpackerl genau die ist, deren Milch ihr trinkt? Glaubt ihr, dass ihr fliegen könnt, sobald ihr ein Energy-Getränk konsumiert?

Vieles in unserer Welt läuft nicht rund.

Auch mich fordert das Thema Betteln heraus. Auch ich treffe in Schallmoos täglich viele ArmutsmigrantInnen. Das finde ich beklemmend. Und es zeigt mir täglich, wie gut es mir selbst eigentlich geht. Ich weiß auch, dass es Armut in österreichischen Familien gibt, um die müssen wir uns genauso kümmern.

Aber BettlerInnen durch Bettelverbote aus der Stadt zu vertreiben, wird deren Armut nicht lösen, sie werden wo anders betteln. Ist es das, was ihr anders machen wollt? Woanders ist uns wurscht, Hauptsache nicht bei uns? Hilfsprojekte in Rumänien gibt es, das ist gut so, aber auch diese schaffen es nicht flächendeckend, Armut zu verhindern. Wie wollt ihr also die Armut in den Herkunftsländern der BettlerInnen bearbeiten? In dem ihr hier aus im Wahlkampf mit dem Finger auf die EU oder sonst wohin zeigt? Glaubt ihr, dass das für die BettlerInnen hier in Salzburg eine Lösung bringen wird?

Glücklicherweise gibt es andere, die es tatsächlich anders machen.

Was wir in Salzburg selbst in der Hand haben, ist, zumindest eine Notversorgung zur Verfügung zu stellen. Wir müssen mit allen Menschen respektvoll umgehen, auch mit von Armut Betroffenen. Viele tun das – und daher möchte ich auf die vielen positiven Entwicklungen rund um das Thema in Salzburg noch ganz kurz eingehen und verlinken:

httpv://www.youtube.com/watch?v=tEIDMRkvz84&hd=1

Meine abschließenden Fragen:

Wieviel Rückmeldungen der Zivilgesellschaft, wieviel Daten und Fakten, wieviel andere Überzeugungsarbeit wird es noch brauchen, um beim Thema Betteln wieder zu menschenwürdigen Realitäten zurück zu kehren?

Bis dahin ist die Stadt ÖVP für die Menschen nicht wählbar

…denen Menschenwürde und Menschenrechte etwas bedeuten.

 

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