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Gelebte Beteiligung von BürgerInnen in Salzburg: Die Ideenwerkstatt Schallmoos

2. November 2012
Ideenwerkstatt in der Salzburg AG

Was Beteiligung von Bürgern und Bürgerinnen bringt? Mehr Grün, weniger motorisierter Verkehr und Orte für Begegnung.

Schallmoos wirkt oft wie ein komischer Stadtteil. Rundherum Gleise, die Hauptverkehrsader Vogelweiderstraße schneidet mitten durch, es gibt viel Gewerbe mit großen Lagerflächen aber auch einige unbebaute große Grünflächen. Es gibt Einfamilienhäuser und auch große Wohnblöcke. Das Tolle daran: Schallmoos ist sehr nah am Stadtzentrum und liegt direkt am Bahnhof. Und genau dieser öffnet sich nun bald endlich (!) auf die Schallmooser Seite mit einer Passage für FußgängerInnen.

Stadtrat Padutsch hat das zum Anlass genommen, mit seiner Stadtplanung genauer auf Schallmoos zu schauen und für die zukünftigen Entwicklungen vorbereitet zu sein. Und wer kann das besser unterstützen als die Menschen, die vor Ort leben und die Stärken und Schwächen ihrer Gegend kennen.

Seit dem Frühjahr 2012 haben wir BewohnerInnen von Schallmoos im Rahmen der „Ideenwerkstadt SchallmoosWest“ gemeinsam mit Experten und Expertinnen unsere Visionen und Ideen für den Stadtteil erarbeitet. Am 31. Oktober 2012 wurden die ersten Ergebnisse präsentiert und die nächsten Schritte konkretisiert.

Die Wünsche aus der Bevölkerung waren eindeutig – und geben uns in der aktuellen Verkehrsdiskussion Rückenwind: Wir haben den vielen Verkehr satt, wünschen uns einen grünen Stadtteil. Das andere ist ein Spezifikum des Stadtteils: eigentlich fehlt so etwas wie ein kulturelles Zentrum, wo man sich treffen kann und die Muslime, die hier schon mit vielen Moscheevereinen vertreten sind könnten sich vorstellen, in Schallmoos eine erste repräsentative Moschee zu bauen.
Detail am Rande: den Kapuzinerbergtunnel hat keiner der Menschen aus Schallmoos, die sich hier beteiligt haben, unterstützt.

Folgende sechs Themen haben sich heraus kristallisiert:

  • Stark diskutiert wurde natürlich der motorisierte Verkehr, sei es im Bereich der Schleichwege durch den Stadtteil oder der Bus- und LKW-Verkehr, der die BewohnerInnen belastet (Stichwort Rollende Landstraße)
  • Diskutiert wurde auch, wie sich das Wohnen im Schallmoos weiter entwickeln soll, idealerweise verbunden mit Arbeitsplätzen und mit einem kulturellem und sozialem Angebot vor Ort.
  • Wir SchallmooserInnen wünschen uns einen grünen Stadtteil, mit größeren und kleineren Grünoasen, die zum Verweilen einladen, aber auch mit attraktiven Geh- und Radwegen, die eine sichere und autofreie Mobilität ermöglichen.
  • Die große bestehende Grünfläche – der Dr. Hans Lechner Park – ist in die Jahre gekommen, wir wünschen uns eine Umgestaltung, die wieder näher an den Bedürfnissen der Menschen ist, die den Park fast täglich nutzen.  Zum Beispiel die Bereiche für Kinder und Jugendliche sollen verbessert werden, aber auch mehr Sitzgelegenheiten entstehen. Spannend ist die Chance, dort einen nächsten Gemeinschaftsgarten zu gründen, der gemeinschaftliches  „Garteln“ im Stadtteil ermöglichen soll, ein Trend, der in vielen Städten Europas bereits Einzug hält und in Salzburg mit dem Interkulturellen Stadteilgarten in Itzling schon ein Vorbild hat.
  • Der Wunsch nach Begegnungszentren kommt aus zwei Richtungen. In Schallmoos gibt es bereits acht Moscheevereine, die in Hinterhöfen ihre Glaubensräume haben. Gemeinsam wollen sie ein repräsentatives Glaubenshaus für Muslime im Stadtteil.
  • Aber auch die Kultur und das Soziale braucht in Schallmoos einen Raum für Begegnung, handwerkliches und künstlerisches Arbeiten, Feste feiern, etc., so die Arbeitsgruppe.

In den Arbeitsgruppen haben sich die verschiedenen Gruppen mit durchaus unterschiedlichen Bedürfnissen beteiligt: Jugendliche, SeniorInnen, Gewerbetreibende, AnrainerInnen, VertreterInnen von Religionsgemeinschaften, etc . Die Stadtplanung hat daraus einen Katalog an Maßnahmen erarbeitet, der nun auch mit Unterstützung der anderen Ressorts umgesetzt werden soll. Zu Beginn steht schon sehr konkret die Umgestaltung des Lechner-Parks, aber auch erste Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung. Dafür ist 2013 auch schon ein Budget von rund 150.000 Euro verhandelt.

Transparenz als wichtiges Element für die Weiterarbeit

Dass die gelebte Beteiligung von BürgerInnen hier nicht endet, zeigt auch der Blick in die Zukunft. Die Stadtplanung wird weiterhin mit den Bürgern und Bürgerinnen in Kontakt bleiben, das nächste Stadtteilfest zum Feiern der gemeinsamen Arbeit ist auch schon geplant (Frühjahr 2013).

Auch wichtig: Der Prozess selbst ist bisher sehr transparent abgelaufen und die einzelnen Schritte für alle nachlesbar (und somit auch einforderbar!). Die Protokolle, Ergebnisse und weiterführende Informationen sind auf der begleitenden Projektwebsite http://www.schallmooswest.blogspot.co.at/ zu finden.

Meine ganz persönlichen Anliegen

Ich freu mich auf den umgestalteten Lechner Park, und beim Gemeinschaftsgarten möchte ich selbst mitarbeiten. Gute Fußwege sind mir jetzt noch wichtiger, ich gehe doch öfters mit Kinderwagen in Richtung Linzergasse und freue mich, wenn das sicher und „grünbegleitet“ funktioniert. Ich finde es wichtig, immer wieder kleine „Verweiloasen“ vorzufinden, wo man kurz sitzen und  Pause machen kann. Mit Kindern wichtig und auch ältere Menschen wissen das sehr zu schätzen. Weniger Verkehr ist weniger Lärm, bessere Luft und mehr Platz für Menschen. Wenn wir also neue „autofreie“ Wohnformen nach Schallmoos bekommen, täte ich das sehr begrüßen. Wir sind so nah an allem dran (Bahnhof, Stadtzentrum, Infrastruktur) – wo wenn nicht hier müsste das doch möglich sein!

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