Allgemein Frauen

Kind & Politik, willkommen im neuen Leben

15. Oktober 2012

Seit Juni 2012 hab ich eine neue Rolle: ich bin Mutter einer kleinen Tochter geworden! Schwangerschaft und Geburt sind gut verlaufen und sind auch der Grund, warum es hier im Blog etwas ruhig war. Das soll sich jetzt wieder ändern. Mit dem politischen Herbst habe ich auch wieder meine Arbeit als Gemeinderätin aufgenommen – mit einigen neuen Erkenntnissen.

Wir leben in einer lauten und stinkenden Welt – sogar in Salzburg.

Das ist uns im Prinzip ja eigentlich bewusst. Wer aber – wie ich – mit einem wenige Wochen alten Kind unterwegs ist, den trifft es mit aller Härte. Zum Beispiel an der Sterneckstraße auf den Bus zu warten. Das Wartehäusl bietet keinen Schutz und so dröhnt in wenigen Meter Entfernung alles Motorisierte vorbei, was es so gibt: Autos, LKWs, Mofas, Motorräder. Die Abgase riecht man zwar nur leicht (bin ich sie schon gewohnt?) – aber was das für die Luftqualität bedeutet, der ich meine Tochter und mich aussetze – will ich gar nicht wissen. Die einschlägigen Messungen kennen wir aber. Wie oft werden hier jährlich die Feinstaubwerte überschritten?

Busfahren macht Spaß, hat aber auch verbesserungswürdige Seiten.

Die guten Seiten: Ich kenne das Busnetz jetzt um einiges besser wie zuvor (es ist gar nicht so schlecht) und genieße auch die Familienförderung, die mir ein Tagesticket um € 1,60 beschert. Der Zeitfaktor: Busfahren braucht mehr Zeit wie Fahrrad fahren, allerdings hat das auch eine soziale Komponente. Ich treffe Menschen beim Warten auf den Bus, im Bus und bin auch auf ihre Hilfe angewiesen, wenn ich mal nicht selbstständig mit dem Kinderwagen aus dem Bus komme. Und das bringt uns schon zu den verbesserungswürdigen Seiten. Liebe BusfahrerInnen, bitte fahrt so nah wie möglich an die Bordsteinkante! Und bitte lasst eure Busse „hinunter“ – fast alle können das schon! Das hilft nicht nur mir beim Aussteigen mit Kinderwagen, sondern vielen anderen Menschen mit Gehherausforderungen (Alter, Verletzung, egal). Und bitte MEHR Busspuren. Mit dem Bus im Stau stehen macht genauso wenig Spaß.

Kinder sind toll. Arbeiten auch.

Sie ist ein wirklich feines kleines Mädchen, wir genießen jede Minute mit ihr. WIR. Mein Partner und ich. Denn wir teilen uns die Zeit mit ihr, und können auch unseren Berufen weiter nachgehen. Wir arbeiten beide seit ihrem dritten Monat circa 20 Stunden die Woche, und klarerweise müssen wir uns jetzt besser koordinieren. Finanziell muss man hier etwas zurückstecken, aber das Modell ist wirklich empfehlenswert, denn der Gewinn ist enorm: viel Zeit für unser Kind und auch Abwechslung und Herausforderung im Job.

Schlaf wird überbewertet oder irgendwie regelt das die Natur.

Wir haben Glück, unsere Tochter ist ein sehr zufriedenes Kind und lässt uns in der Nacht über größere Strecken schlafen. Es ist trotzdem weniger wie vorher, und auch unterbrochen – aber irgendwie geht das. Ein hoch auf die Hormone oder was immer es ist, dass uns da anpassungsfähig macht!

Hebammen sind sehr, sehr wichtige Menschen für Frauen, die Kinder bekommen.

Sie sind diejenigen, die im Vorfeld, bei der Geburt und auch danach unbeschreibliche Unterstützung bieten können. Leider geht das in unserem System unter. Unsere Krankenkassen (hier sagts ja der Name schon?!) bezahlen keine Vorbereitung auf die Geburt. In Krankenhäusern wie dem LKH sind die Hebammenteams unterbesetzt und von der Nachbetreuung bei ambulanter Geburt (oder vorzeitiger Entlassung) wissen die wenigsten. Die Kassen-Unterstützung für eine Hausgeburt ist sowieso unter jedem Niveau, von dem eine Hebamme leben könnte. Die persönliche Begleitung einer Frau durch ihre Hebamme durch Schwangerschaft, Geburt und Nachbetreuung findet in nur ganz wenigen Fällen statt. Das finde ich sehr schade. Ich hatte das Glück, bei der Vor- und Nachbetreuung eine wirklich feinen Hebamme bei der Seite zu haben (Danke Sigrid!), bei der Geburt selbst war ich enttäuscht, denke aber, dass im „System LKH“ wie es derzeit strukturiert ist, nicht verwunderlich ist.

Es gibt noch vieles mehr zu berichten –aber für dieses Mal schließe ich ab und freue mich auf den Herbst, mit Kind & Politik ;)

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