Integration

Nebelbombe Deutsch & Integration – bitte kümmert euch um die wesentlichen Dinge!

21. April 2010

Aus dem blauen Eck tönt der Wunsch nach mehr Deutschkenntnissen in städtischen Wohnungen, und das schwarze Eck hat nichts Besseres zu tun, als dem beizupflichten und dann wieder das an sich erfolgreiche Projekt der Hausregeln-Piktogramme zu kritisieren und zu dem Fazit zu kommen, dass Deutsch DER Schlüssel zur Integration sei. Wer nicht Deutsch spräche, trage zu sozialen Ghettos bei.

Ihr Herren aus dem blauen und schwarzen Eck, diese Diskussion hab ich sowas von satt:

Wenn ihr glaubt, dass Integration sich gleichsetzt mit Deutsch sprechen, dann lebt ihr in einer Parallelwelt, denn die revoltierenden jungen Menschen in den Vororten von Paris sprechen die Landessprache fließend.

Wenn ihr glaubt, dass sich soziale Probleme durch Deutsch sprechen lösen ließen, dann habt ihr keinen Plan. Bitte erklärt, wie eine vierköpfige Familie mit einem Einkommen unter der Armutsgrenze durch den Erwerb der deutschen Sprache auf einmal mehr besser dasteht?

Wenn ihr glaubt, dass schlecht ausgebildete Menschen durch Deutsch sprechen auf einmal den Aufstieg schaffen, habt ihr noch nie mit einem jungen arbeitslosen Migranten zu tun gehabt. Der spricht nämlich auch sehr gut Deutsch und ist trotzdem an den Rand gedrängt. Genauso wie sein österreichischer Freund, der die Schule abgebrochen hat, und auch keine Lehrstelle findet.

Nur dass wir uns richtig verstehen: Ich halte das Erlernen von Deutsch für alle, die hier längerfristig leben wollen richtig und wichtig.

Aber lösen wir bitte die Probleme dort, wo sie sich wirklich finden, nämlich in der Bildung, in der Verbesserung von sozialen Umständen und schüren wir nicht neue, indem wir Bevölkerungsgruppen aufeinander hetzen.

Das hilft nämlich niemandem.

  • sonjaschiff
    21. April 2010 at 22:14

    Hallo Barbara, freu mich immer von dir pressemäßig oder im Blog zu lesen. Kannst du mir übrigens erklären, warum die Grünen in Wien den Häupl-Vorschlag einer türkischen Schule abgelehnt haben? Ich fand die Idee eigentlich super. Gibt doch auch in Istanbul eine deutsche Schule oder bei uns eine englische Schule. Dort hätten die Kinder gut ihre Muttersprache gelernt und Deutsch als erste Fremdsprache…..in höheren Klassen hätte man große Teile des Unterrichts auf deusch halten können…etc. ich war perplex dass die Grünen da dagegen waren. Wie siehst du das? Hast du Infos zur Haltung der Grünen?

    • barbarasieberth
      22. April 2010 at 08:46

      Liebe Sonia, ich freu mich über Dein Kommentar! Und das mit den türkischen Schulen hab ich mir so auch nicht erklären können, allerdings hab ich dazu was in der Kleinen Zeitung gefunden – ich kopier das mal hier rein:
      „Grünen-Klubobfrau Vassilakou sagte, Häupl betreibe mit seiner „spaltenden Scheindebatte“ Realitätsverweigerung, „denn türkische Schulen würden das Wiener Sprachproblem nicht lösen“. Wiener Kinder mit türkischer Muttersprache hätten ein „Recht auf eine kostenlose öffentliche Schule, in der sie sprachlich gut gefördert werden“, sagte in einer Aussendung am Samstag. Vassilakou sieht Wien vor der „Mammut-Aufgabe“, das Wiener Schulsystem auf moderne Sprachlehrmethoden umzustellen.

      Dass es einzelne fremdsprachige Schulen geben kann, wie etwa das Lycée, sei nichts Außergewöhnliches, dagegen gebe es keine prinzipielle Ablehnung. „Aber damit lässt sich das Wiener Sprachproblem keinesfalls lösen“, sagte Vassilakou.“

      Mein Fazit – es spricht nichts gegen diese Schulen, aber es löst nicht die Probleme der sprachlichen Förderung der großen Masse – sei es im Bereich Türkisch oder auch Deutsch.

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