Jugend

Jugend in Salzburg: gefragt und gehört.

16. Februar 2010

Ich war als Jugendsprecherin in den letzten zwei Wochen bei zwei Diskussionsveranstaltung mit jungen Menschen. Weltbewegend? Nein – und dann eigentlich doch JA!

Als junge Gemeinderätin bin ich bemüht, tatsächlich junge Menschen zu vertreten und auch Lobbyarbeit in ihrem Interesse zu machen. Als Grundlage dazu muss ich mir natürlich irgendwie klar sein, was sind den deren Interessen? Dabei helfen MultiplikatorInnen, die selbst viel mit jungen Menschen arbeiten. Es gibt Studien in großer Zahl zu verschiedenen Themen, und trotzdem ist das Feld kein einfaches.
Und ich komme immer wieder drauf: das Beste ist es, mit Menschen direkt in Kontakt zu sein – das ist sicher ein Schwerpunkt meiner politischen Arbeit in diesem Jahr.

Was hab ich mir mitgenommen aus den beiden Diskussionveranstaltungen?

1) Bei der einen ging es um junge Kultur in der Stadt – wie wird sie gefördert? Gibt es eine Szene dafür? Ganz beantworten lassen sich diese Fragen für mich derzeit nicht. Denn die Bedürfnisse sind sehr vielfältig und widersprechen sich oft auch. Gibt es Räume, sind die vielleicht nicht richtig gestaltet. Sind sie autonom, haben oft auch wieder nicht alle Zugang, die ihn gern hätten. Als Junge/r will man sich seinen Platz auch erkämpfen, und sich nicht ins (von anderen) gemachte Bett legen.
Fazit für mich: ich möchte mal rausfinden, was für Räume gibt es bereits (oder entstehen gerade), und wie können wir sie für Junge öffnen? Wie schaffen wir es, uns nicht von Haftungsbeschränkungen (zB in der Nutzung leer stehender Häuser) blockieren zu lassen? Können wir Subventionen für junge Menschen leichter zugänglich machen? Wie kann der öffentliche Raum für junge Menschen besser nutzbar gemacht werden?

2) Bei der anderen (heutigen) Veranstaltung ging es mehr um Positionierung zu verschiedenen Themen wie Freizeitflächen für junge Menschen, öffentlicher Verkehr, interkulturelles Miteinander, Nutzung von Internet, PolitikerInnen, Verbesserung von Bildungschancen.

Die Rückmeldung der SchülerInnen war motivierend und guter Auftrag für die weitere politische Arbeit:

  • Öffentlicher Verkehr ist wesentlich für SchülerInnen („meine Eltern können mich nicht dauernd herumkutschieren“). Er muss bessere und häufigere Verbindungen bekommen, das Tarifsystem ist zu kompliziert, die Umlandgemeinden (die nicht an der Lokalbahn liegen) zu umständlich zu erreichen.
  • Ausländerfeindlichkeit wurde abgelehnt, es fielen Sätze wie „Menschen sollen frei entscheiden können wo sie leben wollen“ oder „es wäre doch langweilig, wenn wir alle gleich wären“ oder „es gibt auch Kirchtürme, die regelmäßig läuten; ein Minarett wäre zuerst was Neues, aber wir würden uns schon daran gewöhnen“. JA! JA! JA! Das war ermutigend. Liebe Medien, liebe PolitikerInnen in Regierungsfunktion: junge Menschen ticken nicht so wie die öffentliche Meinung das darstellt!!
  • Bildung: wir bekamen die Rückmeldung, dass es sie selbst überfordert, so früh zu entscheiden, ob Hauptschule oder Gymnasium, Lehre oder Studium. Dass Schwächere unterstützt gehören, damit sie nicht teuer Nachhilfe bekommen müssen. Dass sie schon jetzt keine Zeit mehr hätten, sich zu treffen (und daher gern facebook nutzen). Das ist doch absurd! Junge Menschen haben schon einen Zeitdruck, der sie abhält, Freunde zu treffen? Das sollte uns echt zum Denken geben!

Also ja, mir geben diese Rückmeldungen viel zu denken, und uns auch einige Aufträge zum Weiterarbeiten. Nicht alles wird schnell umsetzbar sein – aber die Zielrichtung ist recht klar. Weitere Veranstaltungen wie diese sind geplant.

  • Roland
    16. Februar 2010 at 16:25

    Wie Jugendliche immer wieder von Medien dargestellt werden, basiert ja selten auf repräsentativen Studien sondern viel mehr auf subjektivem Journalismus bzw. auf diletanischer Interpretation von Wahlergebnissen.

    Ein gutes Beispiel dafür ist derzeit auch die tägliche Präsentation von Leserumfragen in den Salzburger Nachrichten. Sie stellen die Ergebnisse schon beinahe wie eine wissenschaftliche Studie vor, auch wenn bei dieser Umfrage nur 300 Interviews mit SN-LeserInnen geführt wurden. Es ist also nicht mehr und nicht weniger als die Meinung von 300 SN-LeserInnen – und diese deckt sich wohl kaum mit der Gesamtbevölkerung.

    Das Gleiche trifft auch allzuoft auf die Berichterstattung über Jugend-Themen zu. Hier handelt es sich auch meist nur um die subjektive Meinung der JournalistInnen, selten um ein tatsächliches Abbild unserer Gesellschaft. Deswegen ist es auch umso wichtiger mit den Jugendlichen direkt in Kontakt zu treten und sich nicht auf die Gatekeeper-Meinungen der traditionellen Medienwelt zu verlassen.

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