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Die einfache Welt des H.C. Strache – EU Wahlkampf

7. Juni 2009

Letzte Woche war die EU-Wahlkampf Veranstaltung der FPÖ in Salzburg. Ich bin ein neugieriger Mensch, also hab ich beschlossen, mit einem Freund von den Grünen mir das Ganze mal anzuschauen.

Wir sind gleich zu Beginn auf die Demonstration von einigen jungen Menschen gestoßen, die sich gegen die Politik der FPÖ richtete. Slogans gingen von „Strache, verpiss Dich, keiner vermisst Dich“ bis „Arbeitsplätze statt Ausländerhetze“.
Wir haben uns der Gruppe angeschlossen und einige TeilnehmerInnen mit Videokamera interviewt, warum sie denn hier sind und gegen was sie protestieren. Vor dem Eingang des Stieglkeller haben wir dann FPÖ Sympatisanten gefragt, was sie denn motiviert, zu dieser Veranstaltung zu gehen, um dann selbst 1/2 Stunde dem Strache zu zuhören.

Das Fazit war für mich ernüchternd. Strache war weder besonders innovativ noch geistreich noch rethorisch gut unterwegs. Was er aber gut drauf hatte: die Menschen im Saal zu Opfern zu machen. Opfer der österreichischen Politik, Opfer der EU, Opfer der linken Nazis, die nun arme FPÖ’ler hetzen, und überhaupt Opfer. Das er mit seinen Ansagen Menschen beleidigt, verunglimpft und herabwürdigt ist das Eine. Dass er dabei seine eigenen Anhänger/innen selbst für nicht ganz voll nimmt, ist das Andere. Uns sie selbst scheinen das gar nicht zu merken.

Alex Rehbogen, mit dem ich dort war, hat so analysiert:
„Die FPÖ stellt sich und ihre Wähler in jeglichen Ausführungen als Opfer dar. Man muss sich verteidigen: gegen die Großen, die die Bauern (eigene Existenz) in den Ruin treiben; gegen den linken Pöbel, der einen gewalttätig bedroht; gegen die EU, die einem das Geld aus der Tasche zieht; gegen die Ausländer, die einem die Arbeitsplätze wegnehmen, usw. Auch bei der Verteidigung gegen Vorwürfe in den Medien (man erinnere sich bspw. an die Diskussion Graf) wird stets versucht die Opferrolle einzunehmen.
Es ist nicht allein der Fakt, dass die Rechte Grundbedürfnisse (alles betrifft die eigene Existenz direkt) anspricht. Vielmehr wird die existenzielle Bedrohung hochstilisiert, indem nach dem Ingroup-Outgroup-Prinzip argumentiert und die Ingroup in die passive Rolle gedrängt wird. WIR müssen uns gegen DIE verteidigen. Die Argumentation ist immer mit der Schaffung eines Feindbildes verbunden.“

Dass damit nicht die Spur einer Lösung von Problemen vorkommt, liegt auf der Hand. Ja klar, zahlen wir keine EU Gelder mehr und verwenden wir das Geld für uns in Österreich. Kurzfristig super, wer einen Tag länger als morgen überlegt, nicht so super, sondern Supergau. Lassen wir keine Ausländer mehr rein – wie innovativ. Dass viele von den „Ausländern“ unser Gesundheitssystem mittragen (und noch in vielen anderen Bereichen beträchtlich beitragen) hat sich noch nicht durchgesprochen.  Und dass Migration auch ein Anzeichen von globaler Ungerechtikeit ist, das übersteigt vermutlichen den Horizont.

Was für mich bleibt: es gibt viele Menschen in Österreich, die sich das Opferbild gern aufdrängen lassen. Und sich als Verlierer/innen sehen. Und das müssen wir auf allen Ebenen angehen. Fakt ist, dass es ein rechts-extremes Angebot gibt, dass die Menschen hier annehmen, und das für mich einfach unakzeptabel  ist. Es zeigt aber auch, dass ein Angebot fehlt, dass solche Menschen auch wahrnimmt und eine konstruktive Richtung geht. Vielleicht ist das die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau, aber versuchen will ich es jedenfalls, an einem solchen Angebot mitzuarbeiten.

PS: Details am Rande:
1) Eigentlich was das eine Veranstaltung im Rahmen des EU Wahlkampfes. Andreas Mölzer (EU Kandidat) hielt zwar eine kurze Rede, war aber danach gleich wieder weg – hat also an seiner „eigenen Veranstaltung“ nicht wirklich teilngenommen. Soviel zum Thema die EU und der Kontakt zu den Menschen.

2) Gemeinderat Bernhard Carl (auch Bürgerliste) hatte im Vorfeld einen interessanten und aufschlussreichen Briefwechsel mit FPÖ Klubobmann Schöppl. Dieser war aufgefordert, zum Hetzwahlkampf und den Graf’schen Aussagen Stellung zu nehmen – was dieser nur insoferne tat, als er auf „Grün“ zurückschoss, ohne inhaltlich Position zu beziehen. Nachzulesen unter www.buergerliste.at

  • Martina
    9. Juni 2009 at 21:44

    Hi Barbara, nun besuche ich zum ersten Mal deine Webseite und … Gratulation, sie gefällt mir sehr gut. Und vor allem der aktuellste Text ist gut – ein Bericht von „vor Ort“ bringt eine ganz eigene und wichtige Sichtweise mit sich. Danke für dein Engagment und deine Arbeit. Weiter so. Ich werde deinen Blog gleich mal abbonieren :-) Lg, Martina

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