Integration

Wut und Unverständnis

14. Mai 2009

Ich les meistens in der Früh neben dem Frühstück Zeitung, derzeit vor allem die Salzburger Nachrichten, da hab ich ein Abo. Und was knallt mir heute im Hauptteil entgegen – ein Inserat der ÖVP mit folgendem Text:
Sozialhilfe für alle Asylwerber? Automatische Arbeitsbewilligung? Zuzug von Großfamilien? Rote und Grüne stimmen für neues EU-Asylgesetz. FPÖ- „Volksvertreter“ schwänzte Abstimmung.
Nur die ÖVP stimmte geschlossen gegen Asylmissbrauch. Und für Österreich. Darauf ist Verlass.

Und jetzt weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll mit meine Zorn über ein derart Menschen verachtendes Inserat.

So wie hier getexted wird, lese ich:
1) Sozialhilfe = Asylmissbrauch.
2) Arbeitsbewilligung = Asylmissbrauch.
3) Großfamilien = Asylmissbrauch.
Vielleicht füge ich noch dazu: Asyl ansuchen = Asylmissbrauch.

Und jetzt eine Frage an alle mündigen BürgerInnen: Ist das die Richtung in die wir wollen?

1) Asyl ist ein Menschenrecht. Klar ist, dass nicht alle Menschen, die bei uns Asyl ansuchen, tatsächlich auch Gründe mitbringen, die Asyl gerechtfertigen. Aber alle in einen Topf zu schmeissen, ist Menschen verachtend.

2) Sozialhilfe ist ein soziales Auffangnetz für Menschen. Man wird davon nicht reich. Keine österreichische/r Staatsbürger/in sollte dem Vorwurf ausgesetzt sein, mit Bezug der Sozialhilfe Missbrauch am System zu betreiben. Ein/e AsylwerberIn ist auch ein Mensch, der ein soziales Netz dringend notwendig hat. Und auch er/sie wird davon nicht reich.

3) Es wird oft diskutiert, dass gerade das „nicht arbeiten“ von AsylwerberInnen, die ewig auf ihren Bescheid warten, dazu beiträgt, dass Menschen kriminell werden. Wir leben in einer wahnsinns Konsumgesellschaft, und erwarten, dass das genau bei diesen Menschen nichts auslöst. Das ist Messen mit zweierlei Maß.

4) Familie ist ein Wert, den gerade die ÖVP hoch hält (ich übrigens auch, wobei es für mich verschiedene Möglichkeiten der „Familie“ gibt, Vater-Mutter-Kind ist nicht die einzig Mögliche und Wahre). Und schonwieder gilt dieser Wert nicht für Asyl Suchende.

Genau in der jetztigen Finanz-, Wirtschafts- und Wertekrise habe ich stark gehofft, dass Menschenrechte, Solidarität, Mitgefühl, Gerechtikeit wieder mehr Platz hat in der Werteskala, nach der wir unser Leben richten, und auch politische Entscheidungen treffen.
Die ÖVP meint, sie ist eine christliche Partei. Doch mit solchen Inseraten verliert die ÖVP jegliche Glaubwürdigkeit.

Wer derzeit Missbrauch betreibt, ist der freie Finanzmarkt, der globale Ungerechtigkeiten fördert und mit der Realwirtschaft nur mehr wenig zu tun hat. Dort liegen Ressourcen, die umverteilt werden müssen. Nicht beim letzten Glied der Kette, einem Asylwerber.
Wenn Asylwerber missbräuchlich sich des Instruments des Asylrechts bedienen, was ich hier nicht gut heiße, so sind sie dennoch auf der Flucht, aus wirtschaftlichen oder sonstigen Gründen. Weil sie sich woanders ein besseres Leben erhoffen.
Migration (und das wäre es dann) ist auch ein Zeichen von globaler Ungerechtigkeit. Wenn eine Klimaerwärmung, ein Kapitalmarkt, eine krisengebeutelte Region ihren Menschen kein lebenswürdiges Leben mehr gewährleistet, dann versuchen die Menschen woanders ihr Glück. Nur weil wir hier in Europa zufällig auf reichem Boden geboren worden sind, gibt uns das nicht das Recht, über andere Menschen so zu urteilen, so ungerecht zu behandeln.

Ich verachte diese Politik, die die ÖVP mit Inseraten und Politik wie dieser vorantreibt. Und ums auf meine politische Schiene als Jugendsprecherin der Bürgerliste in der Stadt Salzburg noch auf den Punkt zu bringen:
Wir bemühen uns gerade im Jugendbereich, die Themen Integration, Mitgration, Gewalt unter Jugendlichen auf einen grünen Zweig zu kommen. Aber wir brauchen uns nicht wundern, wenn in der politischen Erwachsenenwelt solche Töne und Handlungen kommen.
Wir sind Vorbild für die Jugend. Und meine Vorstellung ist die, mit konstruktiven Ideen Lösungen zu Problemen zu finden, die zB Asylmissbrauch mit sich bringen. Ich will hier nicht die Augen verschließen, aber ich will sie für gute Lösungen für alle Menschen öffnen. Das hat nichts mit Träumerei zu tun, sondern mit Politik FÜR Menschen mit einem Maß und einer globalen Verantwortung.

  • Cecilia Thurner
    14. Mai 2009 at 13:53

    Danke, dass du schreibst was ich mir so oft denke! Diese ewige Asyldebatte… und wo bitte bleibt die Nächstenliebe? Von wegen christlich und so…

    LiGrü,
    C.

  • Samuel Herzog
    21. Mai 2009 at 01:01

    Wie aus meinem Herzen gesprochen …

    Was ich noch gerne Anmerken möchte:
    Laut profil dieser Woche haben im EU Parlament gerade einmal 69 Personen gegen diese Initiative gestimmt.
    Das heißt ÖVP & Konsorten haben in einer Linie mit den schlimmsten rechtsaußen Politikern …
    Das muss doch wachrütteln!

  • barbarasieberth
    21. Mai 2009 at 07:20

    Danke für den Hinweis. Das rüttelt allerdings wach. Werd das noch genauer verfolgen… LG Barbara

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