Allgemein

Neue Werte für die Gesellschaft

8. Mai 2009

Seit heute bin ich offiziell Mitglied von Attac (heißt, ich habe endlich den Mitgliedsbeitrag eingezahlt, war schon längst fällig).
Anstoss war das heutige Seminar von Christian Felber (Buchautor, Attac Österreich) und Ruth Picker (Global Responsibility) in Salzburg zum Thema „Die Finanzkrise – eine Krise der globalen Gesellschaft?“

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat sehr komplexe Hintergründe, aber eigentlich sehr simple Gründe, wie es dazu kommen konnte. Sehr verkürzt habe ich verstanden, dass die Weltwirtschaftskrise 1929 samt allen Wirren und Kriege danach 1944 dazu geführt hat, dass sich maßgebliche Staaten zusammengesetzt haben und beschlossen haben, die Finanzmärkte zu regulieren. Dass hieß den Dollar zur Leitwährung zu machen, ihn an reale Goldreserven zu binden und die Wechselkurse von Franc, DM, Yen festzusetzen.
In diesen Zeiten erlebte Europa und die USA einen enormen Wohlstandszuwachs.
Dann kam der Vietnamkrieg, die USA brauchte mehr Geld und fing „einfach“ an, mehr Geld zu drucken. Golddeckung adé, der Dollar musste abwerten und in Konsequenz wurden dann auch die Wechselkurse dem freien Markt freigegeben. Parallel dazu kam ein Paradigmenwechsel weg von der sozialen Marktwirtschaft zum Neo-Liberalismus. Die „6 Zutaten“, die dann zur jetztigen Finanzkrise führen, identifiziert Felber so:
1) Freie Wechselkurse bei 2) Freien Kapitalverkehr. Dazu kommt 3) das Primärrecht der EU, dass einen Finanzbinnenmarkt zwingend vorsieht (im Sinne von Effizienz durch Konkurrenz). Die 4) Hochrenditefonds und dazu kommenden 5) Finanzderivate schrauben die Gier der Finanzmärkte hoch, damit einher kommen auch 6) astronomische Managergehälter.

In der jetztigen Situation ergibt sich dann die Absurdität, dass Banken, die von gemeinnützigen, nicht gewinnorientierte Verbände zu großen Superbanken zusammen fusioniert wurden (um wettbewerbsfähiger und effiezienter zu sein), müssen genau jetzt vor diesen „Freie-Markt-Regeln“ geschützt werden. Sie dürfen nicht in Konkurs gehen, weil sie schon zu groß sind und viel mehr mit ins Elend mitnehmen. Was an diesem System war also genau effizient? Und wer hat davon profitiert? Einige wenige, die jetzt superreich sich ganz still halten. Hier gäbs noch ganz viel mehr zu sagen…

Als Ausweg formuliert Felber dann einen recht radikalen, aber absolut mir aus dem Herz springendem Richtungswechsel. Die Kette soll nicht sein Gewinn streben – Konkurrenz – Gemeines Wohl (denn das ist hiermit ganz offensichtlich gescheitert) sondern Gemeinwohl streben – Kooperation – Gemeines Wohl heißen. Was wir in unseren täglichen zwischenmenschlichen Beziehungen leben, nämlich Vertrauen, Wertschätzung, Kooperation, Mitgefühl, etc – das sollte auch in der Wirtschaft und der Gesellschaft als Gesamtes gelten. Der derzeitige Kapitalismus zerstört genau diese Werte. Vertrauen und Solidarität werden nicht belohnt. Und damit die Menschenwürde systematisch zerstört. – lt Felber, und ich kann das sehr nachvollziehen.

Wir müssen uns echt mehr engagieren, dass das System wieder für Menschen arbeitet und nicht für Geld, und das fordert vor allem auch die Politik, die sehr viel aus der Hand gegeben hat.

Ich hab heute noch sehr viel mehr gelernt, das strapaziert aber diesen Blog. Ich kann nur folgende Buchtipps noch geben, und zwar Felbers Bücher „Neue Werte für die Wirtschaft“ und „50 Vorschläge für eine gerechtere Welt“. Gut zu lesen, leicht nachvollziehbar und sehr betroffen machend. Aber auch motivierend, aktiv zu werden und nicht mehr jeden Mist zu glauben, den verantwortliche politische Eliten von sich geben.

  • Uli Feichtinger
    9. Mai 2009 at 00:10

    Oh, Du schreibst mir aus der Seele! :) :) :)

    Vielleicht interessiert Dich mein Statement: „Neues statt Mehr-vom-Alten“
    –> http://www.weripower.at/lebensqualitaet/pdfs/200902_wie_retten_wir_die_wirtschaft.pdf

    Der Glocalist
    –> http://www.glocalist.com/
    hatte im Feber einen Call for Papers zur Frage: Wie retten wir die Wirtschaft?

    Und meine Antwort lautet sehr ähnlich wie die von Christian Felber – wau, bin ich #stolz! :) – dass es hin zu Kooperation und #Lebensqualität für alle heute und in Zukunft gehen soll…

    Ich mag die Vorträge von Christian auch sehr gerne! :) Und: attac hat mich damals vor etwas mehr als 6 Jahren „so richtig“ politisiert #GATS

Hinterlasse eine Nachricht